Medien in der COVID-19 Zeit

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Medien aus Sicht von Zentralplus.

Mehr Nutzer, aber weniger Einnahmen: So lässt sich die Situation der Medien in den letzten Wochen und Monaten zusammenfassen. Viele kommen in existenzielle Not.

Die Zahl schreckt auf: Um 80 Prozent, so Schätzungen mehrerer Herausgeber, seien die Inserateeinnahmen während der Corona-Krise zurückgegangen. «Bei den Werbeeinnahmen gibt es eine Vollbremsung – ein Totalcrash», sagt der Chefredaktor des «Bieler Tagblatt», Bernhard Rentsch.

 

Den Rückgang spürt auch zentralplus sehr direkt. Durch die Absage aller grösseren Events, Restaurant-Schliessungen und geschlossenen Verkaufsstellen sind die meisten Inserate kurzfristig gestoppt worden. Was nicht verkauft werden kann, wird auch nicht beworben. Einen Totalcrash wie in Biel haben wir glücklicherweise nicht zu verzeichnen, die Erlöse gingen aber um mehr als die Hälfte zurück.

Gastautor: Christian Hug, zentralplus

 

Grössere Wertschätzung und mehr Spenden

Dabei zeigt gerade die Corona-Krise, wie wichtig Journalisten sind. Der Drang nach verlässlichen Informationen ist gross; Online-Medien, Informationsformate am TV und teilweise auch Zeitungen verzeichnen massive Steigerungen der Reichweite. Das gilt auch für zentralplus. Unsere Zahlen waren zuletzt so hoch nie zuvor, die Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer sind deutlich zahlreicher und ihre Wertschätzung grösser. Gleichzeitig spüren wir eine erhöhte Spendenbereitschaft.

All das ist motivierend für das Team und Balsam für die Seele. Ein Unternehmen aber benötigt Liquidität zum Überleben. Denn verkaufen lassen sich die zusätzlichen Zugriffe kaum, während die IT-Kosten in die Höhe schnellen. Zwar bietet sich für einige Teilbereiche in der Krise Kurzarbeit an. Bei zentralplus ist bisher nur der Verlag davon betroffen, bei vielen grösseren Schweizer Medien auch die Redaktionen. Wir wollen unseren Lesern aber gerade in der Krise das volle inhaltliche Angebot bieten.

 

Werbegeschäft kaum mehr relevant

Nun kann man einwenden, dass Einnahmenrückgänge für die Medienbranche nichts neues sind. Die Werbeumsätze der gedruckten Zeitungen (Tages-, Wochen-, Regional- und Sonntagszeitungen) gehen jedes Jahr um über 10 Prozent zurück und dürften dieses Jahr wohl erstmals unter 500 Millionen Franken fallen – ohne Berücksichtigung der Corona-Krise. Zum Vergleich: Um die Jahrtausendwende erzielte die gedruckte Presse noch Werbeeinahmen von gegen zwei Milliarden Franken. Und Digital-Abos verkaufen sich nicht gut genug, als dass sie die Verluste auch nur annähernd kompensieren könnten. Branchenvertreter gehen sogar davon aus, dass es in diesem Jahr einen Werberückgang von über 50 Prozent geben wird. Damit blieben dann noch 250 Millionen in der Kasse.

Das fatale dabei: Erfahrungen früherer Werbeeinbrüche als Folge von konjunkturellen Schwankungen zeigen, dass die Einnahmen nicht mehr das Niveau von vor einer Krise erreichen. Die Corona-Krise dürfte demnach zu einem nachhaltigen Verlust von Werbeeinnahmen bei den Medien führen, heisst es im aktuellen Medienperspektivenbericht.

 

Unterstützung durch Nutzer wird zentral

Was also tun? Wir haben unser Geschäftsmodell vor einem Jahr angepasst. Zusätzlich zu Werbeeinnahmen setzt zentralplus sehr stark auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wir sind überzeugt, dass unsere Nutzerinnen und Nutzer für relevante regionale Informationen einen angemessenen Beitrag zu leisten bereit sind. Dies als freiwilliges Abo, ganz ohne Zwang. Denn zentralplus wird auch zukünftig kostenlos zugänglich sein.

Als weitere Massnahme bauen wir das Fundraising aus und richten uns noch näher auf die Bedürfnisse unserer Nutzer aus. Dazu beziehen wir im Zuger Freiruum ein Büro und führen in der Zwischennutzung gemeinsame Anlässe durch. So versprechen wir uns nicht nur mehr Öffentlichkeit, sondern auch direkte Feedbacks und spannende Dialoge.

 

Nur Online-Medien nicht gefördert

Ohne eine Medienförderung als drittes Standbein wird es aber nicht funktionieren. Es ist für mich völlig unverständlich, weshalb Online-Medien in der Schweiz bis dato so stiefmütterlich behandelt werden. Erst scheiterte ein 78 Millionen Franken teures Notprogramm für die Medien im Bundesrat. Nun haben die zuständigen Kommissionen im National- und Ständerat Motionen überwiesen, die Soforthilfe für die Medienbranche fordern.

Beiden gemeinsam ist, dass sie vor allem das vom Aussterben bedrohte Modell der Zeitungen unterstützen wollen. Einmal mehr leer ausgehen sollen dabei Online-Medien. Dies in einer Zeit, in der immer mehr Zeitungstitel verschwinden und Online die Medienvielfalt wirkungsvoll belebt. Während der Bund für Online-Publikationen keinen Franken aufwendet, werden TV, Radio und Zeitungen schon heute direkt oder indirekt mit 1,5 Milliarden Franken unterstützt.

 

Bundesrat auf dem richtigen Weg

Gerade recht kommt da das ordentliche Massnahmenpaket, das der Bundesrat diese Woche lanciert hat. Die Zeitungszustellung soll neu mit 50 statt 30 Millionen Franken unterstützt werden, bereits letzte Woche hat die Regierung entschieden, der SRG jährlich 50 zusätzliche Millionen zur Verfügung zu stellen. Neu ist jedoch, dass Onlinemedien pro Jahr 30 Millionen Franken erhalten.

Um zu vermeiden, dass Grossverlage die Gelder abholen, sollen Medien mit geringerer Reichweite einen höheren prozentualen Anteil erhalten. Damit versucht man regionale Angebote zu fördern. Eine andere Voraussetzung ist, dass der redaktionelle Teil des Angebots primär Informationen zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Themen enthält und das Medium auf Einnahmen der Nutzer zählen kann.

 

zentralplus wurde in den letzten Jahren immer wieder auch als ein Beispiel genannt, für das eine Online-Förderung des Bundes ausgestaltet werden soll. Das Parlament kann nun beweisen, dass es Online-Medien ebenso ernst nimmt, wie die Nutzerinnen und Nutzer dies seit langem tun.